Vorschriften ändern sich – doch eine transparente Wertschöpfungskette bleibt ein Wettbewerbsvorteil

10/12/2025 by Bluugo

Das Europäische Parlament hat beschlossen, die EU-Entwaldungsverordnung bis Ende 2026 zu verschieben. Gleichzeitig macht das umfassendere „Omnibus“-Vereinfachungspaket Fortschritte, das die Berichts- und Sorgfaltspflichten erleichtern soll. Diese laufenden regulatorischen Änderungen veranlassen viele Unternehmen dazu, die Transparenz ihrer Wertschöpfungsketten noch einmal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Status-Update: Die neuesten Entwicklungen in der EU-Nachhaltigkeitsregulierung

Im November 2025 gab es erneut eine Wendung in der europäischen Nachhaltigkeitspolitik: Das Europäische Parlament stimmte dafür, die EU-Verordnung gegen Entwaldung (EUDR) zu vereinfachen und ihre Einführung um ein ganzes Jahr zu verschieben. Die Verordnung war ursprünglich 2023 verabschiedet worden, um sicherzustellen, dass keine Produkte mit Bezug zu Entwaldung auf den EU-Markt gelangen. Diese Verschiebung ist bereits die zweite ihrer Art, und die Änderungen werden Unternehmen und andere Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette spürbar betreffen.

Mehr über die Änderungen der EUDR auf der Website des EU-Rates.

Gleichzeitig treibt die EU das umfassendere „Omnibus“-Vereinfachungspaket weiter voran. Dieses soll Berichts- und Sorgfaltspflichten vereinfachen, und die meisten dieser Anforderungen auf die größten Unternehmen beschränken.

Zentrale Elemente des Omnibus-Pakets im Herbst 2025

  • Berichtspflichten werden reduziert und gelten künftig nur noch für die größten Unternehmen.
  • Sorgfaltspflichten werden auf „sehr große“ Unternehmen innerhalb und außerhalb der EU beschränkt.
  • Übergangspläne werden nicht mehr verlangt.
  • Sanktionen werden zunehmend auf nationaler statt auf EU-Ebene festgelegt.
  • Unternehmen erhalten über ein digitales Portal Zugang zu kostenlosen Vorlagen und Leitfäden für ihre Compliance.

Weitere Informationen zum Vereinfachungspaket gibt es in dieser Pressemitteilung des Europäischen Parlaments.

Mit der sich wandelnden Verordnung wächst die Unsicherheit – trotzdem nimmt die Transparenz in der Lieferkette weiter zu

Nicht überraschend haben die Nachrichten über die regulatorische Entlastung gemischte Reaktionen ausgelöst. Viele vorausschauende Branchenführer äußern die Sorge, dass die EU nun diejenigen Unternehmen belohnt, die weniger gut vorbereitet waren, während bereits getätigte Investitionen zur Erfüllung der Anforderungen zumindest vorübergehend an Wert verlieren.

Unternehmen wie Nestlé, Mars, Danone und Tony’s Chocolonely haben öffentlich erklärt, dass die Verzögerungen und fortlaufenden Änderungen der Regulierung:

  • als regulatorisches Umfeld die Unsicherheit der EU erhöhen,
  • die Investitionsbereitschaft verringern können,
  • die Entwicklung von Zusammenarbeit und Engagement bei Lieferanten verlangsamen,
  • im schlimmsten Fall den Fortschritt bei Klimazielen behindern.

Weitere Hintergrundinformationen zu diesen Stellungnahmen gibt es im aktuellen Artikel von ESG Today.

Eine neue Aussicht

Mit der Verzögerung der EUDR und den Vereinfachungen durch das Omnibus-Paket könnte der Druck regulatorischer Anforderungen für einige Unternehmen vorübergehend nachlassen, aber die grundlegenden Faktoren bleiben jedoch unverändert: Unternehmensrisiken entstehen heute nicht mehr durch einzelne Vorschriften, sondern durch die Strukturen der Lieferketten und die mangelnde Transparenz der Lieferantennetzwerke.

Die größten Herausforderungen liegen außerhalb der Regulierung selbst:

  • Geringe Sichtbarkeit der Tier-2-Lieferanten lässt Unternehmen erst reagieren, wenn Probleme bereits aufgetreten sind. Dies führt zu:
    • langsameren Korrekturmaßnahmen (von Tagen zu Wochen)
    • höheren operativen Kosten
    • Lieferengpässen, die Produktion oder Kundenlieferungen verzögern können
  • Geopolitische Störungen und Lieferengpässe
  • Ressourcenengpässe, Arbeitskräftemangel und steigende Cyberrisiken
  • Wachsende Nachfrage nach überprüfbaren Angaben zu Produktursprung und Nachhaltigkeit (z. B. regulatorische Anforderungen, Scope-3- oder ESG-Datenlücken)

Branchenanalysen bestätigen diesen Trend: 2025 investieren Supply-Chain-Verantwortliche stark in Resilienz, Kostentransparenz, ESG-Daten und strategische Lieferantenkooperation, und zwar nicht aus Reporting-Gründen, sondern weil genau hier Wettbewerbsvorteile entstehen. Mehr dazu im Artikel von KPMG.

Die EUDR ist nicht die einzige Regulierung, die Anforderungen tiefer in die Lieferketten trägt. Beispielsweise verlangt NIS2 Risikobewertungen von Lieferanten aus Sicht der Cybersicherheit. Gemeinsam ist all diesen Vorschriften die wachsende Notwendigkeit, Lieferantendaten überprüfbar zu erfassen und zu steuern – unabhängig davon, wie sich einzelne Regelwerke entwickeln.

Rückverfolgbarkeit ist keine regulatorische Last – sondern ein Instrument zur Verwaltung von Risiken, Qualität und Zusammenarbeit in der Lieferkette

Unternehmen, die strategisch in Transparenz investieren, tun dies nicht für das Reporting, sondern um die Leistungsfähigkeit ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu stärken. Rückverfolgbarkeit hat sich von einer Compliance-Funktion zu einer zentralen Fähigkeit entwickelt, die Reaktionsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz verbessert.

In der Praxis verfolgen Unternehmen mit Rückverfolgbarkeits- und Lieferantendatenlösungen vor allem folgende Ziele:

Risiken bei Lieferanten früher erkennen und reduzieren
Transparenz über Risikoregionen, Herkunftsdaten sowie Tier-2- bis Tier-n-Lieferanten ermöglicht frühzeitiges Handeln, bevor Risiken zu Lieferproblemen oder Nachhaltigkeitsverstößen werden.

Verlässliche Herkunfts- und Nachhaltigkeitsdaten für Kunden und Märkte
Vor allem Kunden in Deutschland und Nordeuropa erwarten geprüfte Informationen zu Rohstoffherkunft und Nachhaltigkeit, unabhängig vom Zeitplan der EUDR.

Schnellere Reaktion auf Veränderungen in der Lieferkette
Lücken in Lieferantendaten, Risikoregionen oder unzuverlässige Angaben werden früh erkannt. So können Lieferantenwechsel oder weitere Prüfungen eingeleitet werden, bevor Probleme eskalieren.

Verbessertes Qualitäts- und Compliance-Management
Standardisierte Lieferantenfragebögen, Dokumentationen und regelmäßige Aktualisierungen reduzieren Fehler und senken Kosten für Audits, Reklamationen und potenzielle Strafen.

Stärkere Position als verantwortungsvoller Lieferant
In Märkten, in denen Nachhaltigkeit bereits ein Wettbewerbsvorteil ist (z. B. in Deutschland), stärkt Transparenz entlang der Wertschöpfungskette das Vertrauen und unterstützt Vertrieb sowie langfristige Kundenbeziehungen.

Effizientere Zusammenarbeit mit Lieferanten
Transparenz und standardisierte Datenerhebung erleichtern die Einbindung von Lieferanten und fördern ihre kontinuierliche Weiterentwicklung, was ein entscheidender Faktor im Markt- und geopolitischen Umfeld 2025–2030 ist.

Besserer ROI auf Compliance-Investitionen
Wenn dieselbe Datenbasis sowohl regulatorische Anforderungen als auch Nachhaltigkeit, Risikomanagement, Lieferantenbewertung und Markttrends unterstützt, entsteht ein dauerhafter Mehrwert, nicht nur dann, wenn „die Behörden es verlangen“.

Bessere Vorbereitung auf wachsende Transparenzanforderungen (EUDR, DPP, Scope 3 und NIS2-Lieferantenrisiken)
Eine einheitliche Datenbasis reduziert den Bedarf für Ad-hoc-Projekte und ermöglicht es Unternehmen, proaktiv auf Kunden-, Markt- und Regulierungsanforderungen zu reagieren.

  • Digital Product Passport (DPP): Der digitale Produktpass der EU bündelt Informationen zu Produktursprung und Nachhaltigkeit in einem einzigen standardisierten Format.
  • Scope 3: Indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (z. B. bei Lieferanten, Transport oder Nutzung), die meist den Großteil der Gesamtemissionen eines Unternehmens ausmachen.
  • NIS2: Eine EU-Richtlinie für Unternehmen in kritischen oder wirtschaftlich bedeutenden Sektoren – und deren Lieferanten – die das Handhaben cybersicherheitsbezogener Risiken in der Lieferkette verlangt.

Bluugos Aussicht: „Compliance ohne Chaos“

Praktische Umsetzungserfahrungen zeigen eindeutig, dass digitale Lösungen nicht rund um eine einzelne Regulierung aufgebaut werden sollten. Stattdessen sollten Unternehmen proaktiv eine stabile Datenbasis für die gesamte Wertschöpfungskette schaffen, eine Grundlage, die auch dann funktioniert, wenn sich Vorschriften ändern oder die Erwartungen im Markt steigen.

Genau das liegt hinter Bluugos Ansatz einer „Compliance ohne Chaos“.

Diese Bedürfnisse adressiert Tracking Cloud seit mehr als einem Jahrzehnt, und zwar in realen Projekten, in unterschiedlichen Branchen und über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg.

Tracking Cloud ist nicht nur ein Tool, um Compliance nachzuweisen, es wurde entwickelt, um:

  • Daten in Echtzeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu bewegen
  • die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Kunden zu stärken
  • Risiken vom Ursprung an zu erkennen (auch jenseits von Tier 1)
  • und Transparenz in einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln

Kurzgesagt: Nicht auf perfekte Klarheit warten, sondern eine Grundlage schaffen, die bereits heute echten Mehrwert bietet.

Denn ein Unternehmen, das auf die endgültige Gesetzgebung wartet und erst im letzten Moment reagiert:

  • zahlt mehr
  • entwickelt Lösungen, die sich nicht an zukünftige Änderungen anpassen lassen
  • verliert Boden in Märkten, in denen geprüfte Nachhaltigkeit längst ein faktisches Auswahlkriterium ist

Hingegen ein Unternehmen, das Rückverfolgbarkeitslösungen proaktiv entwickelt:

  • treibt die Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette voran, mit geschäftlichem Nutzen als Hauptmotor
  • trifft bessere Lieferantenentscheidungen und reduziert Risiken
  • führt besseres Geschäft, schafft Vertrauen im Markt und bleibt robust, unabhängig von der regulatorischen Richtung

Fazit

Auch wenn die Regulierung gelockert wird, nimmt der Bedarf an verlässlichen Lieferanten- und Herkunftsdaten nicht ab. Märkte und Kunden erwarten zunehmend Transparenz, selbst wenn die Vorschriften dies nicht explizit verlangen.

Zukunftsführende Unternehmen sind diejenigen, die in Transparenz investieren, bevor Markt oder Regulierung es erzwingen. Sind Lieferanteninformationen und Herkunftsdaten geordnet, können Kosten gesenkt, Lieferunterbrechungen vermieden und ein Wettbewerbsvorteil aufgebaut werden, der auch bei sich ändernden Vorschriften stabil bleibt.

Für weitere Informationen empfiehlt sich das kostenlose Whitepaper „Compliance ohne Chaos“, das erklärt, wie sich Lieferkettendaten und Rückverfolgbarkeit trotz sich wandelnder Regulierung sichern lassen.

Den Leitfaden über den Button unten herunterladen.

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Bluugo

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Chemigate weitet Einsatz von Tracking Cloud® auf Lieferantenmanagement aus

Chemigate, einer der führenden Biopolymer-Hersteller in den nordischen Ländern, nutzt die Tracking Cloud®-Plattform von Bluugo seit 2021, um seine Lieferkette vom Auftrag bis zur Lieferung zu digitalisieren und zu automatisieren. Ab Frühjahr 2026 wird die Plattform auch auf das Lieferantenmanagement ausgeweitet.

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Die Europäische Kommission hat angekündigt, keine Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung für große oder mittelgroße Unternehmen vorzuschlagen – das bedeutet, dass die Verordnung wie geplant Ende 2025 in Kraft tritt. Allerdings schlägt die Kommission Änderungen am Inhalt der Verordnung vor, um die Berichtspflichten für bestimmte Marktteilnehmer zu reduzieren und die Belastung des Informationssystems TRACES zu verringern.